Salvador Dalí
"Versuchung des heiligen Antonius"
Kunstreferat von Jesko Habert
Biographie
Kindheit / Impressionismus
Salvador Felipe Jacinto Dalí wurde am 11. Mai 1904
in Figueras, einer spanischen Kleinstadt in der Nähe des
Mittelmeeres, geboren. Seine Mutter Felipa Domenech Ferrés
starb schon als Salvador 17 Jahre alt war. Salvadors Vater Don Salvador
Dalí y Cusi, war als Notar tätig und war
dementsprechend wohlhabend. Neben Salvador gehörte noch seine
jüngere Schwester Ana-Maria zur Familie, mit der er anfangs
eine innige Beziehung hatte. Einen Bruder hatte er nicht –
Salvador Gallo Anselmo starb 9 Monate und 10 Tage vor Dalís
Geburt im Alter von noch nicht einmal zwei Jahren.
Dalí fühlte sich aufgrund der Tatsache, dass er den
gleichen Vornamen wie sein verstorbener Bruder hatte, oft ein wenig als
Ersatz für ihn, seine Eltern jedoch verhätschelten
ihn aufgrund des vorhergehenden Verlustes sogar ganz besonders und
Salvador bekam so ziemlich alles was er wollte – bekam er es
nicht, neigte er zu extremen Wutausbrüchen. Der einzige ihm
verbotene Ort war die Küche. Der dadurch entstehende Reiz
für alles, was mit Essen zu tun hat, verband sich mit der
katalanischen Esskultur und schlägt sich in Dalís
gesamtem Werk wieder. So sagt er später auch in seinem
„Geheimen Leben“, dass alles Essen für ihn
mit moralischen und ästhetischen Werten verbunden ist. (Zum
Beispiel hasst er Spinat aufgrund der formlosen Gestalt und liebt
stattdessen die mit dem Verstand greifbaren Schalentiere.) Kurz,
Dalí erlebte nicht nur eine angenehme, sondern auch eine
verwöhnte Kindheit und bemühte sich, ständig
im Mittelpunkt zu stehen, teils durch vorgetäuschte
Krankheiten, teils durch sein merkwürdiges Verhalten.
(Trotzdem beschreibt er sich während seiner Schulzeit als
schüchterner Außenseiter, besonders
gegenüber dem anderen Geschlecht.)
Im Alter von zehn Jahren erhielt Salvador ersten Zeichenunterricht,
nachdem Ramon Pichot, ein Freund von Salvadors Vater, dessen Talent
entdeckt hatte und Salvadors Vater riet, Salvador in eine Zeichenschule
zu schicken, wo er die Grundlagen der Zeichnung und Komposition
erlernte, was für Dalí von
äußerst großer Wichtigkeit für
seine späteren Kunstwerke war. Salvador brachte sich
außerdem die impressionistische Malerei bei, die er zusammen
mit dem Fauvismus und der volkstümlichen katalanischen Kunst
verband. 1917 nahm er dann privaten Zeichenunterricht bei Juan
Nuñez. 1918 werden die ersten seiner impressionistischen
Werke im Stadttheater von Figueras ausgestellt und von mehreren
Kritikern gelobt – eine örtliche Zeitung sagte sogar
eine außerordentliche Karriere für den gerade 14
Jahre alten Künstler voraus.
Im Sommer, wenn die Familie Dalí zum Ferienhaus in
Cadaqués gingen, begeisterte sich Dalí besonders
für die schroffen Felsen der Küste in
Cadaqués und dem nahe liegenden Port Lligat, welche von da
an häufige Motive seiner Werke wurden.
Mit 15 Jahren gründete Salvador eine Schülerzeitung,
in der er Artikel über große Meister der Malerei
veröffentlichte. (Goya, El Greco, Dürer, Da Vinci,
Michelangelo, Velaquez.) Er las zwar viel (Nietzsche, Kant, Voltaire)
und interessierte sich für Philosophie, lies aber in der
Schule keine guten Ergebnisse von sich sehen. (Zur einen
Hälfte lernte er gar nicht, zur anderen täuschte er
es vor.) Wider Erwarten erzielte er für die
Hochschulreifeprüfung trotzdem erstaunlich gute Noten und
bekam so die Möglichkeit, auf die Kunsthochschule zu gehen.
Das „Bildnis des Cellisten Ricardo Pichot“ zeigt
einen Sohn der mit den Dalís befreundeten Familie beim
Cellospiel in einem von der untergehenden Sonne rotgefärbten
Raum. Die Maltechnik, Farbgebung und die Pinselführung zeigen
Salvadors Interesse in den Impressionismus, den er auch für
sein Alter außergewöhnlich gut beherrschte. Die
melancholische Darstellung stellt Ricardo als perfekten Musiker dar.
Jugend / Kubismus
1921 bestand Salvador die Aufnahmeprüfung zur
Königlichen San Fernando Akademie der Künste in
Madrid, wo er vorerst allerdings nur bis 1923 bleibt. Aufgrund eines
Studentenprotestes gegen einen neuen, konservativen Professor, bei dem
er als Anführer angesehen wird, wird er für ein Jahr
vom Unterricht ausgeschlossen und verbringt einige Zeit
ungerechtfertigter Weise im Gefängnis. Nachdem er ein Jahr
später zur Schule zurückkehrt, weigert er sich 1926
die Prüfung abzulegen, weil er der Meinung ist, dass die
Qualifikation der Prüfer nicht ausreicht um sein Talent zu
prüfen.
Die Studenten der Akademie der Künstler erhielten die
Möglichkeiten, sich über den modernen Avantgardismus
zu bilden und bekamen des Öfteren Vorträge von
berühmten Persönlichkeiten der Zeit wie H.G. Wells,
Albert Einstein oder Igor Stravinsky zu hören.
Während seiner Studienjahre bekam Dalí
außerdem Kontakt zu kubistischen und surrealistischen
Künstlern. Vorerst orientiert er sich am Kubismus, der sich zu
dieser Zeit gerade unter den Studenten großer Beliebtheit
erfreute, doch es kam auch vor, dass Dalí gleichzeitig an
zwei vom Stil her vollkommen verschiedenen Werken arbeitete, denn er
interessierte sich auch für den Dadaismus, den Futurismus,
Purismus und den Neoklassizismus, die er gekonnt mit einer gewissen
Eigenständigkeit kombinierte. In ab 1924 gemalten Bildern
seiner Schwester Ana-Maria sieht man auch eine Tendenz zum Stil der
Neuen Sachlichkeit und eine Beherrschung der alten Maltechniken, die
nicht nur Dalís Können beweisen, sondern auch die
Grundlage für seine spätere fast schon
fotorealistische Umsetzung der surrealistischen Motive bildete.
Sein Freundeskreis, zu dem Luis Buñuel und Federico
García Lorca gehörten, bestand aus Studenten der
gehobenen Klasse, die mit Salvador im Studentenwohnheim wohnten.
Anfangs war er aufgrund seiner
exzentrisch-außergewöhnlichen Kleidung ein
introvertierter Außenseiter, doch als die anderen Studenten
seine kubistischen Bilder entdeckten, akzeptierten sie ihn,
Dalí öffnete sich mehr der Außenwelt und
erlebte das Madrider Nachtleben. Auch künstlerisch verdankte
er diesen Freundschaften viel – in dieser Zeit entwickelte er
zusammen mit ihnen mehrere Zeichen und Symbole, die er auch in
späteren Werken noch verwendete, wie z.B. die Ameisen
für Fäulnis und Verwesung, die in vielen seiner
späteren Werke auftauchen.
Im Jahr 1925 bekommt er seine erste Einzelausstellung in der Galerie
Dalmau in Barcelona.
Mit Luis Buñuel machte Dalí 1928 auch den
surrealistischen Film „Der andalusische Hund“.
Buñuel war mit dem Vorschlag einen Film zu drehen zu
Dalí gekommen, wovon dieser begeistert war und ihm ein
Drehbuch entwarf. Dies setzten sie um, was einen Film zur Folge hatte,
der keiner Logik folgte und sich auf irrationale und
überraschende konzentrierte. Der Film wurde 1929 zum ersten
Mal in Paris gezeigt. Bei dieser Privatvorführung waren viele
berühmte Persönlichkeiten wie Pablo Picasso und
André Breton, der Anführer der Pariser
Surrealisten. Sämtliche Kritiker waren begeistert und Breton
bezeichnete den „Andalusischen Hund“ als ersten
surrealistischen Film überhaupt. Dalí selbst war
bei der Premiere nicht anwesend, da er wieder in Spanien an mehreren
Bildern für eine Einzelausstellung in Paris arbeitete.
Das Bild „Gestalt zwischen den Felsen (schlafende
Frau)“ zeigt eine Frau, die vermutlich Venus darstellt, mit
allen vier Extremitäten ausgestreckt auf einem Felsen liegend,
gezeichnet in Dalís eigenem kubistischem Stil.
Salvador und Gala / Surrealismus
Nach der Uraufführung von „Der andalusische
Hund“ wandte Dalí sich dem Surrealismus zu und
malte „Das finstere Spiel“, was aufgrund der mit
Exkrementen bedeckten Kleidung einer Person sogar unter den
Surrealisten zu einem kleinen Skandal führte. Allgemein aber
hatte Dalí einen guten Kontakt zu den Pariser Surrealisten
unter André Breton, von denen ihn einige auch in
Cadaqués besuchten – nicht zuletzt dank
Miró, der sich des jüngeren Katalanen angenommen
hatte und oft als Vermittler zwischen Dalí und den
Surrealisten angesehen werden konnte. Die Surrealisten hatten
Dalí seit seinem Bild „Das finstere
Spiel“ als Mitglied der Gruppe akzeptiert. Dalí
brachte außerdem einen neuen Aufschwung in die Gruppe, die
ihren Höhepunkt eigentlich schon überschritten hatte.
Der Surrealismus entstand aus der Gruppe der Dadaisten, ließ
deren Anti-Kunst Auffassung jedoch hinter sich und konzentrierte sich
auf Freuds Lehren (der erst von Dalí überzeugt
wurde, dass surrealistische Bilder nicht vollkommener Unsinn sind) und
die Darstellung des Unterbewussten.
Dalís bedeutendster Beitrag zur Gruppe der Surrealisten war
die „paranoia-kritische Methode“, die er selbst bis
zuletzt in vielen seiner Werke anwendete, und die das bis dahin
praktizierte automatische Schreiben und Malen der Surrealisten
ablöste. Nach dieser Methode versuchte Dalí das
Unbewusste seiner Träume ganz bewusst umzusetzen (also nicht
wie der „Automatismus“ der Surrealisten“)
und die veränderte Wahrnehmung der Wirklichkeit darzustellen.
Das Wichtige bei dieser Methode ist, das Subjektive des Traums im
Wachzustand beizubehalten, um es dann auf fotorealistische Weise zu
objektivieren und systematisieren. Auch tauchen in dieser Zeit die
ersten Vexierbilder auf, welche sich auf verschiedene Weise deuten
lassen („Die Unsichtbaren – Schlafende, Pferd und
Löwe“)
Im Jahr 1929 begegnete er außerdem das erste Mal Gala Eluard
(geborene Helena Devulina Diakanoff), der Frau des befreundeten
französischen Dichters Paul Eluard, in die Salvador sich
verliebte und die er später auch heiratete. Zwischen
Dalí und Gala entwickelte sich eine unvergleichliche
Beziehung. Dalí hatte bis dahin wenig Erfahrung mit Frauen
gehabt und bemühte sich nun mit allen Mitteln, Gala auf sich
aufmerksam zu machen. Seine schon vor dieser Begegnung begonnene
Hysterie steigerte sich immer mehr. In einem der Momente, als er mit
Gala allein war, wurde er plötzlich von einem hysterischen
Lachanfall geschüttelt woraufhin Gala einfach seine Hand nahm
und ihm versprach, ihn nie zu verlassen. Damit und mit der ernsten
Aufforderung sie umzubringen heilte sie ihn (da sie durch dieses
Angebot jede entsprechende Fantasie vorwegnahm), und ging eine
Beziehung mit ihm ein, aus der Salvador Dalí eine
große Inspiration und Unterstützung für
seine späteren Werke schöpfte – wie
Dalí selber sagte, war Gala für ihn nicht nur die
perfekte Geliebte, sondern auch eine lebenswichtige Therapeutin, ohne
die seine Hysterie wahrscheinlich krankhaft geworden wäre.
Später signierte Dalí seine Bilder sogar des
Öfteren mit Gala-Salvador Dalí – er
identifizierte sich mit ihr und sah sie als Teil von sich an,
außerdem behauptete er, seine Werke seien „aus
ihrem Blut“ entstanden – was verständlich
ist, wenn man bedenkt, dass er ohne Galas Organisation, Dominanz und
Liebe nie so viele Werke hätte erschaffen können. Als
Paul Eluard Gala eine Chance gab, mit ihm zurück nach Paris zu
gehen, entschied sie sich, bei Salvador zu bleiben.
1930 dreht Buñuel nach Dalís Ideen einen weiteren
Film: „Das goldene Zeitalter“, welcher kurz nach
der Premiere wegen Aufruhr verboten wird.
Nach dem 1933 gemalten „Rätsel des Wilhelm
Tells“ (in dem Lenin unvorteilhaft auftaucht) zeichnete sich
eine Distanzierung zwischen Dalí und den von
Bretón angeführten, kommunistisch orientierten
Surrealisten ab. Nach dem Auftauchen eines Hakenkreuzes in einem
Dalí-Bild war der Skandal unaufhaltbar und Breton schlug
vor, Dalí aus der Gruppe der Surrealisten
auszuschließen. Bei einem internen
„Prozess“ am 5. Februar 1934 verteidigte
Dalí sich gegen die Vorwürfe, indem er behauptete,
Hitler und Lenin aus rein künstlerischen Gründen und
absolut unpolitisch gezeichnet zu haben. Er sprach sich gegen Tabus
aus, die von Breton diktiert würden und endete, nachdem er
sich aufgrund einer vorgetäuschten Grippe (er hatte die ganze
Zeit ein Fiberthermometer im Mund) bis auf den Oberkörper
entkleidet hatte, mit der Behauptung, dass wenn er davon
träumen würde, wie er und Bretón sich
lieben würden, er dies auch malen würde –
was Bretons Autorität untergrub und den Prozess beendete. Die
private und künstlerische Freundschaft zwischen den beiden
Künstlern war selbstverständlich beendet.
Dalí stellte jedoch weiterhin mit der Gruppe bei
surrealistischen Ausstellungen aus, da er wusste, dass die Surrealisten
seine Popularität sehr gebrauchen konnten und Breton, der
Dalí während seines Erfolges in den USA aus Neid
das Anagramm „Avida Dollars“ (gierig nach Dollars)
verpasste, aus diesem Grund auch nichts dagegen unternahm. Trotz
Dalís Behauptung „Der Surrealismus bin
ich“ distanzierten seine Werke sich tatsächlich
immer mehr vom Surrealismus.
Dalís wahrscheinlich berühmtestes Bild,
„Die Beständigkeit der Erinnerung“
entstand im Jahre 1931 und zeigt die Landschaft von Cap Creus, vor dem
drei weiche, zerfließende Uhren zu sehen sind. Jede der Uhren
zeigt eine andere Zeit, da die linear verlaufende Zeit für das
persönliche Empfinden keine Rolle spielt. Die eigentliche
Beständigkeit der Erinnerung liegt also in den festen Felsen
im Hintergrund, die in einem hellen Licht erstrahlen und der
Vergänglichkeit des vom Menschen geschaffenen trotzen. Das
technische Messen der Zeit ist also Bedeutungslos, da die individuelle
Zeit davon unabhängig vergeht. Das Bild wurde in New York
ausgestellt und war der Beginn seiner Karriere in den USA.
Krieg und Exil / Die Marke Dalí
In den Jahren vor und während dem spanischen
Bürgerkrieg und dem zweiten Weltkrieg malte Dalí
mehrere politische Bilder, die häufig Anspielungen und auch
Vorahnungen auf die Kriege sehen lassen.
In den 30er Jahren hatten sich Salvador und Gala ein Fischerhaus bei
Port Lligat gekauft, da Dalí mittlerweile recht gut vom
Verkauf seiner Werke leben konnte. Hier malte Dalí die
meisten seiner Werke und schöpfte eine große
Inspiration aus der Zeit die sie hier im Sommer verbrachten
(während sie den Rest des Jahres in Paris lebten). Nachdem sie
1936 das letzte Mal hier gewesen waren, brach als sie bei einem Freund
in London waren, in Spanien der Bürgerkrieg aus, was
Dalí als Sohn der gutbürgerlichen Mittelschicht die
Rückkehr unmöglich machte. Sie lebten eine Weile in
Italien, wo Dalí sich mit der Renaissance
beschäftige und einige traditionelle Maltechniken erlernte.
1940 reiste er kurz nach Port Lligat um sich von seinem Vater zu
verabschieden, bevor er mit Gala über Lissabon in die USA
emigrierte.
Eine Zeitlang sympathisierte Dalí mit dem spanischen
Diktator Franco, wobei vermutet werden kann, dass er nur auf die
Möglichkeit einer späteren Rückkehr nach
Port Lligat hoffte. Generell war ihm aber jede Art von Krieg und
gewaltsamer Revolution verhasst, was er auch in den in dieser Zeit
entstandenen Bildern zum Ausdruck brachte.
Als Gala und Dalí 1940 in die USA flüchten, werden
sie dort mit großer Begeisterung begrüßt,
da Dalí in Amerika schon damals der bedeutendste Vertreter
des Surrealismus war. In den folgenden acht Jahren im Exil malt
Dalí verhältnismäßig wenig,
schreibt aber dafür seine Autobiographie „Das
geheime Leben des Salvador Dalí“ (welches Werk und
Biographie miteinander verbindet und mehr seine Selbstinszenierung als
seine wirkliche Kindheit und Jugend beschreibt, und deshalb von den
Kritikern zerrissen wurde), erstellt eine Szene für Alfred
Hitchcocks Film „Spellbound“ (deutscher Titel:
„Ich kämpfe um dich“ – Hitchcock
engagierte Dalí für die Erstellung mehrerer
Traumszenen, die nicht, wie sonst üblich, verwischt und
unscharf sondern scharf umrissen, deutlich und mysteriös
waren) und schuf das Bühnenbild und die Kostüme
für das Ballett „Bacchanal“ (Einer
Verbindung von verschiedenen Wagner Opern und der griechischen Sage von
Leda und dem Schwan) sowie das Libretto für
„Labyrinth“ (welches vom Mythos des Minotauros
erzählt und gute Kritiken erhielt). Finanziell ging es den
Dalís während dieser Zeit sehr gut, viele
berühmte Leute ließen sich von ihm portraitieren und
Dalí kreierte eine Reihe extravaganter
Schmuckstücke die spielerisch gewisse Symbole Dalís
umsetzten („Rubinrote Lippen“, „Das Auge
der Zeit“…). Die anderen mit der Zeit in die USA
geflüchteten Surrealisten André Breton, Max Ernst
und Yves Tanguy fanden keinen so guten Anschluss an die amerikanische
Kunstszene, während die Dalís mitten im
öffentlichen Leben standen, was viel zu Dalís
verbleibender Popularität beitrug. Auch in den Bildern
distanzierte sich Dalí langsam vom puren Surrealismus, in
dem das nicht von der Vernunft kontrollierte Denken dominiert. Es waren
zwar noch immer (alp)traumhafte Motive zu sehen, diese Verbanden sich
jedoch mit Fragen der Naturwissenschaft wie der Schwerkraft, was einen
Hinweis auf sein späteres Interessensgebiet ist. Zu sehen ist
dies in Bildern wie „Die Versuchung des heiligen
Antonius“ und „Traum, verursacht durch den Flug
einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem
Aufwachen“.
Zuletzt genanntes Bild zeigt Gala, die schwebend über einem
Felsen schläft. Neben ihr fliegt eine Biene um einen
Granatapfel und wird sie wahrscheinlich in der nächsten
Sekunde stechen. In einer an Freud erinnernden Assoziation ergibt sich
daraus das große Bild des Granatapfels, aus dem ein Fisch,
die Tiger (Brüllen in Bezug zu Summen der Biene) und ein
Gewehr (mit der Spitze auf Gala errichtet), die ebenfalls schwerelos
sind.
Rückkehr nach Europa / Nukleare Mystik
Im Jahr 1948 kehren Dalí und Gala nach Europa
zurück und verbringen von da an den Sommer in Port Lligat, den
Herbst in Paris und Winter in New York.
Während dieser Zeit beschäftigte sich Dalí
viel mit den Naturwissenschaften und der atomaren Forschung und brachte
dies auch in vielen Bildern zum Ausdruck. Gleichzeitig entdeckte er die
Religion für sich. Schon seit Vater war Atheist gewesen und so
hatte Dalí bisher nie etwas mit der Religion zu tun gehabt.
Nun begann Dalí seine religiösen Wurzeln zu
entdecken und lässt somit auch das Christentum und den
Katholizismus in seine Bilder einfließen, wobei er dies klar
von den anstößigen surrealistischen Bildern trennt,
so dass er eins seiner Bilder („Die Madonna von Port
Lligat“) sogar dem Papst bei einer Privataudienz zeigte, der
dieses Bild segnete. Daraufhin bekannte sich Dalí
öffentlich zum Katholizismus. Auch malt er in dieser Zeit
seine erste Christusdarstellung („Der Christus des Heiligen
Johannes vom Kreuz“) auf die er in seinem
„Mystischen Manifest“ besonders hinweist.
Diese verbindende Phase von Naturwissenschaften und Katholizismus
nannte er die „Nukleare Mystik“. Ab dieser Zeit
kann man sagen, dass ihm sein Ziel, dass er schon während
einer Italienreise gehegt hatte – nämlich den
Surrealismus in die Tradition, die klassische Malerei einzubinden,
gelang.
Weiterhin ist Dalís großes Interesse in die
Schriftstellerei (neben zwei Tagebüchern verfasste er einen
Roman, zahlreiche Drehbücher, mehrere Gedichte und Manifeste),
seine fast schon als eigenes Kunstwerk geltenden extravaganten
Vorträge und Reden und die Photos, für die er
begeistert und äußerst fotogen Modell stand und
verschiedene surrealistische Photos inszenierte, zu nennen.
Das Bild „Leda Atomica“ zeigt eine starke
Verbindung von Mystik (der Schwan ist in der griechischen Sage Zeus,
der sich in dieser Gestalt Leda, der späteren Mutter Helenas
annähern will) und Naturwissenschaften (in der Skizze sieht
man die perfekte Durchplanung des Bildes, das von der
größtmöglichen Symmetrie beherrscht wird.
Außerdem ist die Schwerkraft ein Thema –
sämtliche Objekte schweben vollkommen schwerelos (Anspielung
auf energetisches Gleichgewicht im Inneren eines Atoms und gleichzeitig
das Verhältnis zwischen Leda und dem Schwan)). In
„Leda Atomica“ kommt es nicht wie in der
griechischen Sage zu einer Vereinigung Ledas und des Schwans, sie
berühren sich nicht, auch wenn sie sowohl inhaltlich als auch
kompositorisch stark aneinander gebunden sind. (Diese Darstellung der
Liebe als unauflösliche, nicht sexuelle Verbindung spielt auf
Gala und Dalí an.)
Ruhm und Unsterblichkeit / Experimente und Synthesen
Seine späteren Bilder richteten sich besonders
häufig auch auf historische Themen in denen er weiterhin
Naturwissenschaften mit einer Mystik verband. Malerisch bediente er
sich nun sowohl seinen alten Techniken des Surrealismus
(paranoia-kritische Methode), klassischer Malerei und modernen
Techniken der Malerei. Ab 1958 begann Dalí mit dem ersten
Historienbild, worauf eine ganze Reihe solcher Gemälde folgte:
„Die Schlacht von Tetuan“, „Die
Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus“, „Der
Koloss von Rhodos“ und „Der Leuchtturm von
Alexandria“. Diese Bilder zeigten oft
Schlachtengetümmel, grandiose Panoramen und komplexe
Architektur und zeigen auch Dalís Interesse für die
alten spanischen Maler. Eine besondere Synthese seines bisherigen
Werkes ist in „Der Thunfischfang“ zu sehen.
Aufgrund der Tatsache, dass die großformatigen
Historienbilder bekannte Themen behandeln, fehlt ihnen in gewisser
Weise die beklemmende Spannung und Mystik früherer Bilder.
Privat durchlebten die Dalís in dieser Zeit eine Krise.
Nachdem sie 1958 geheiratet hatten (Paul Eluard war acht Jahre zuvor
gestorben) zeichnete sich mehr und mehr ein langsames Auseinanderleben
ab. Sowohl Gala als auch Salvador hatten kleinere Affären und
Dalí flüchtete sich in die Publicity, in der er
mehr und mehr als Exzentriker auftrat und jede Möglichkeit,
öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen, ausnutzte. (Wie
beispielsweise bei einem Vortrag für die internationale
Surrealisten Ausstellung in London, als er in einem Taucheranzug auf
die Bühne trat und darin fast erstickte.) Ein privater Skandal
war die Veröffentlichung einer Dalíbiographie
seiner Schwester Ana-Maria, in der Dalís Kindheit und Jugend
realistisch beschrieben war und Salvadors ausgefeilte Geschichten und
Anekdoten in seinen Autobiographien u.ä. widerlegten. In
dieser Zeit entstand das an die surrealistische Periode erinnernde Bild
„Von den Hörnern ihrer eigenen Keuschheit
autosodomisierte jugendliche Jungfrau“. Ob dies eine
Anspielung auf Ana-Maria ist, kann vermutet werden, öffentlich
äußerte Dalí sich aber nie dazu und blieb
relativ gelassen.
In den 70er Jahren malte Dalí nur noch wenig,
beschäftigte sich aber dafür mit verschiedenen
Experimenten wie Holographien und entwarf sein Museum in Figueras,
welches 1974 öffnete. Mit dieser Offenbarung der
dalíschen Welt gelang ihm sein Wunsch, unsterblich zu werden
(auch wenn er es sich zeitweise wirklich als Einfrieren seines
Körpers vorstellte, um eines Tages wieder belebt zu werden).
Dalí überwachte persönlich den Bau und
entwarf jedes Detail des „Teatro Museo Gala y Salvador
Dalí“, welches im Gebäude des
früheren Theaters (in dem das erste Mal Bilder von ihm
ausgestellt wurden) eingerichtet wurde.
Am 10. Juni 1982 starb Gala. Als Dalí von ihrem Tod erfuhr,
sagte er, dass das nicht sein könnte und Gala nie sterben
könnte – was in gewisser Weise auch wahr ist, da sie
mehr als die Hälfte der Motive in Dalís Bildern
ausmacht. In der folgenden Zeit weigerte sich Dalí
häufig zu essen, besessen von der Idee unsterblich zu sein.
Dies ging so weit, dass er schließlich über eine
Magensonde ernährt werden musste, schließlich starb
er aber am 23. Januar 1989 nach einem Herzversagen. Auf eigenen Wunsch
wurde sein einbalsamierter Körper eine Woche im Museum in
Figueras aufgebahrt und schließlich auch dort begraben.
„Der Bahnhof von Perpignan“ ist in gewisser Weise
die perfekte Synthese Dalís bisherigen Schaffens. Die
paranoia-kritische Methode verwandelt das noch aus der Kindheit
bekannte und oft zitierte Bild „Beim
Angelusläuten“ von Millet in einen surrealistischen
Zusammenhang, im Zentrum des Bildes ist der „Christus des
Heiligen Johannes vom Kreuz“ zu sehen und sich selbst hat er
im schwebenden Fall (Naturwissenschaften) gleich zwei Mal dargestellt,
betrachtet von Gala.
Dalís Symbolik
Felsenlandschaft von Cadaqués, Port Lligat
und Figueras (Katalonien) Die Landschaft Kataloniens
bezeichnete Dalí als die einzige Landschaft, die man malen
könnte und hielt auch noch an ihr fest, während er in
den USA lebte und malte. Die Aufgerissenheit der ins Meer gehenden
Felsen bildete eine Faszination des Harten und zugleich eine geistige
Veränderlichkeit, die Dalí mehrmals vollkommen
fasziniert darstellte und beschrieb.
Heuschrecke Die Heuschrecke symbolisiert
Dalís Angst. Nachdem er sie in seiner frühen
Kindheit verehrte, bekam er (nachdem er ihre Ähnlichkeit mit
einem glitschigen Fisch bemerkte) panische Angst vor ihnen, womit ihn
seine Schulkameraden so lang ärgerten, bis er ihnen die
„Antiheu-schrecke“ eines aus Papier gefalteten
Hahns verriet, die ihn (angeblich) noch mehr in Panik versetzte.
Verfaulter Esel Der Eselskadaver steht für
offensichtlichen Verfall.
Fliege Die Fliege steht genau wie die Ameise
für die Verwesung und Vergänglichkeit.
Ameise Die Ameise ist ein Symbol für die
Verwesung. Eine der ersten Begegnungen mit diesem verwesenden Element
beschreibt Dalí nach dem Auffinden einer von ihm umsorgten,
über Nacht gestorbenen Fledermaus, die mit Ameisen und
Würmern bedeckt ist. (Ebenso später bei einem Igel)
Afrikanischer Löwe Der Löwe stellt
die Begierde dar.
Brot Sämtliche Nahrung spielt in
Dalís Werk eine besondere Rolle. Dalí
prägte die Aussage „Die Schönheit muss
essbar sein“ (in Anlehnung an diverse Aussagen der
Surrealisten) Das Brot lässt sich häufig als mehrere
Meter langes Baguette in Bildern und Aktionen wieder finden (allerdings
nicht als hilfreiches Brot, sondern als eigennütziges Brot,
wie Dalí es in seinem „Geheimen Leben“
beschreibt).
Eier, Speck, Kotelett (Nahrung s.o.) Neben
Schalentieren waren dies seine Lieblingsmahlzeiten.
Krücke Seit Dalí auf dem
Speicher der Pichóts eine Krücke fand, tauchte sie
auch in seinem Werk immer wieder als abstützendes Element auf,
das aber nicht nur hilft, sondern daraus auch in gewisser Weise seinen
Nutzen zieht.
Männliche Hand Die Hand steht für
Masturbation und auch eine unreine, unehrenhafte Handlung
Horn des Nashorns Dalí sah das Horn als
perfekt logarithmische Kurve und fand diese Form in vielen
Gegenständen und Bildern
(„Spitzklöpplerin“) wieder.
Das „Angelusläuten“ von Francois
Millet Dieses noch aus der Kindheit bekannte Gemälde
findet sich in vielen Werken Dalís wieder (z.B.
„Der Bahnhof von Perpignan“). In „Eine
paraonoisch-kritische Interpretation von Millets
Abendläuten“ beschreibt Dalí seine
Gedanken zu dem Bild, welches er auf erotische und zugleich an den Tod
erinnernde Weise interpretiert.
"Die Versuchung des heiligen Antonius"
Für die praktische Arbeit meines Kunstthemas
wählte ich das Bild „Die Versuchung des heiligen
Antonius“ als Ausgangspunkt für meine
Fortführung. Dieses Bild malte Dalí im Rahmen eines
Wettbewerbes unter diversen surrealistischen Künstlern in den
USA zum Thema des heiligen Antonius. Das Bild des Gewinners sollte eine
Rolle in einem Film zum Thema „Bel Ami“ spielen.
Die Jury (unter anderen Duchamp) wählte jedoch das Bild von
Max Ernst aus. Nichtsdestotrotz ist „Die Versuchung des hl.
Antonius“ ein Werk mit besonderer Bedeutung für
Dalís Schaffen, da es mit seinen der Schwerelosigkeit
trotzenden Elefanten erstmals das Levitationsthema aufgreift, welches
das folgende Werk aus der Zeit der nuklearen Mystik Dalís
kennzeichnet.
Der heilige Antonius war ein Heiliger im 3. Jahrhundert n.Chr. und
lebte als Asket in der ägyptischen Wüste. Seine
hinterlassenen Schriften beschreiben ausführlich die
dämonischen Versuchungen, denen er widerstand. (Trugbilder
wilder Furien, scheinbare Ehre und eine nackte Frau – was
sich in Dalís Bild widerspiegelt. Pferd und Elefant kommen
dort jedoch gar nicht vor.) Das Motiv wurde in der Vergangenheit von
vielen verschiedenen Malern aufgegriffen, wie z.B. Grünewald
und andere.
In Dalís „Versuchung des hl. Antonius“
ist es eindeutig die erotische Versuchung, welche Dalí
darstellt. Der in der vorderen, linken Ecke zu sehende nackte, mit
einem Heiligenschein gekrönte Antonius schützt sich
mit einem kleines Kruzifix vor den auf ihn zukommenden Versuchungen:
zuvorderst ein sich aufbäumendes, wildes (zu sehen an den
gefletschten Zähnen) und im Vergleich zu den Elefanten und dem
Antonius überproportional großes Pferd, was
für die Macht steht (hier auch für die Wollust),
gefolgt von fünf Elefanten (davon einer weiter hinten), die
erotische Elemente auf ihren Rücken tragen. Der erste Elefant
(der im Vergleich zu den anderen Elefanten keine
Stoßzähne hat und in derselben ¾
Perspektive gezeigt ist wie das Pferd) trägt den Brunnen der
Lust, in dem eine von Begierde geprägte, nackte Frau steht,
auf den folgenden sind zwei Säulen/Obelisken zu sehen
(phallische Symbole) sowie ein römisch gebauter Palast
undefinierbarer Größe in dem ebenfalls das Bild
einer nackten Frau zu sehen ist. Eine andere Möglichkeit,
nämlich dass es sich um eine nackte Frau handelt, die durch
das Eingangsportal sichtbar ist, verdreht die
Größen- und Perspektivenverhältnisse noch
mehr als dies sowieso bereits durch die nach hinten
größer werdenden Elefanten geschieht (der dritte
Elefant ist größer als der zweite obwohl der weiter
vorne ist). Letzteres Gebäude wird von zwei Elefanten
getragen, die sich scheinbar gegenseitig stützen –
der eine der beiden Elefanten hat nur zwei Beine, und das, wenn die
Elefanten weiter in unterschiedliche Richtungen gehen, zusammenbrechen
müsste. Die riesige Säule des letzten Elefanten (der
von der Gruppe isoliert ist und nicht so lange Beine wie der dritte und
vierte Elefant haben) verschwindet hinter dunklen Wolken, in denen noch
andere undefinierbare Gebäude schweben. Auffallend ist der
goldene Prunk der Versuchenden gegenüber der offensichtlichen
Armut Antonius’. Wie bereits gesagt sind die Beine der
Elefanten und die Hinterbeine des Pferdes (die Vorderbeine haben eine
realistische Länge, tragen aber falsch angebrachte Hufeisen)
bis in eine abstrakte verknöcherte Länge gezogen, was
sie in gewisser Weise vom Boden und damit der Realität
entfernt. Zu Füßen der Elefanten sind noch zwei
Gestalten sichtbar, von der eine ein Priester zu sein scheint und die
die Größe der Elefanten verdeutlichen,
außerdem sieht man zu Füßen des
Antonius’ einen ihm zugewandten Totenkopf und hinter der
Figur des Priesters eine engelartige Lichtgestalt.
Das mit Öl auf Leinwand nach Dalís typisch
realistischer Weise gemalte Bild ist merkwürdigerweise
außer in den Ecken in eher hellen Farben gehalten
während die Figuren einen Helligkeitskontrast und somit
Ausgleich bilden (Pferd – Elefanten). Die tiefe Linie des
Horizontes (am Ende einer riesigen Ebene), welche sogar durch den
Körper des Antonius geht (der ein klein wenig transparent ist)
lässt den größten Teil des Bildes
für den Himmel frei, vor dem die langbeinigen Gestalten noch
gigantischer erscheinen. Unsichtbare Linien ziehen sich
außerdem über den Rücken des Pferdes und
das nach hinten gestreckte Bein des vierten Elefanten, was ebenfalls
eine bedrohliche Wirkung auf die Position Antonius’ hat.
"Die moderne Verführung" - meine Fortführung der Kunstarbeit
Zunächst ist wohl anzumerken, dass eine
Fortführung von Dalís Werk an sich eher klassisch
sein müsste, da er sich dieser Richtung gegen Ende seines
Lebens zuneigte und da dies seinem Modell der Renaissance der Tradition
entsprechen würde. Da ich mich aber mehr mit seiner
surrealistischen Periode beschäftigten wollte, nahm ich mir
als moderne Umsetzung vor, ebenso wie Dalí in diesem
ausgewählten Bild ein bewusst vorgenommenes Bild auf
surrealistische Weise mit realistischen Techniken umzusetzen.
Dalí beschreibt, dass er sich oft ein Motiv oder Bild abends
konzentriert ansah, um nachts darüber zu träumen und
dies mit seinen assoziativen Ideen (gemäß der
paranoia-kritischen Methode) zu verbinden. Mein Motiv der schwarzen
Figuren mit den Fernsehern an Stelle der Köpfe entstand
während eines Telefonats, bei dem ich ohne darüber
nachzudenken auf einen Notizblock kritzelte. Später
überlegte ich mir bewusst den Sinn und die Bedeutung dieses
Motivs (Dalí sagte, bloß weil er während
der Entstehung der Bilder nicht wüsste, was sie bedeuten,
heißt das nicht, das sie keine Bedeutung haben) um in diesem
Zusammenhang unbewusste Elemente hinzuzufügen und
auszuführen. Hier entstand auch der Zusammenhang zu
„Der Versuchung des hl. Antonius“.
Für die wiederum realistische Umsetzung entschied ich mich, da ich nicht wie Dalí eine intensive zeichnerische Ausbildung hatte, für die Fotografie. Dalí war begeistert von der Fotographie und nutzte sie sowohl um für sich selbst zu werben, als auch als Medium der Darstellung surrealistischer Ideen (siehe Fotos). Damals entstanden diese Bilder durch Fotomontagen, die verständlicherweise noch beschränkte Möglichkeiten hatten. Durch heutige Nutzung von Computern lassen sich Photos aber so zusammenstellen und manipulieren, dass sie ähnliche surrealistische Darstellungs
Das Motiv selbst, die moderne Versuchung durch die Medien (was
keineswegs eine Verallgemeinerung ist, da die versuchte Person,
dargestellt von meiner Schwester in Anlehnung an Dalís Werke
mit dem Motiv seiner Schwester, sich mit einem Buch gegen die
Versuchung schützt, was ebenfalls ein Medium ist (d.h. es
kommt nicht auf das Medium an, sondern auf die davon vermittelten
Werte)) ist keine direkte Fortführung Dalís, da
dieser gerade in seiner Zeit in den USA sich die Medien
überaus häufig zunutzen machte. Andererseits fasste
Dalí die Erotik, die in „Die Versuchung des hl.
Antonius“ als Versuchung dargestellt wird, ebenso wenig als
vollkommen negativ auf (was sich aus anderen Werken schließen
lässt), wie in meiner Fortführung die Medien als
solche abgewertet werden sollen.

Die drei schwarzen Gestalten kommen in bedrohlicher Haltung auf meine
Schwester, die in der rechten Ecke des Bildes kniet, zu. Wie in der
„Versuchung des hl. Antonius“ wird die
räumliche Entfernung der drei Personen durch eine
Verlängerung der Beine ausgeglichen so dass eine Linie von
ihren an Stelle der Köpfe befindlichen Fernseher genau auf sie
herunterführt, was die Bedrohungswirkung verstärkt.
Die spezielle Art der Versuchung ist ebenso wie bei Dalís
Versuchung an den getragenen Objekten sichtbar und zeigen die gleichen
Versuchungen, denen der heilige Antonius ausgesetzt war. Der vorderste
Fernseher bietet Ruhm an (ein Ausschnitt des Bildes selber wiederholt
sich im Bildschirm), der zweite Erotik und Reizüberflutung und
der dritte Macht und Gewalt (ebenso verdeutlicht durch die Peitsche und
das Brot). Zu den Füßen der drei Figuren sind
fünf Gestalten zu sehen, die eine „reale“
Größe haben (wie meine Schwester, nur weiter hinten
im Raum). Bei der Versuchung der Macht stehen zwei abgewandte
Polizisten, bei der erotischen Versuchung ein Pantomime, der sich
über eine nichts ahnende lachende Frau beugt und bei der
Versuchung der Ehre eine lebendige Statue. Die ganze Szene spielt sich
nicht in der Wüste ab, sondern auf einem Feld vor der harten
Wirklichkeit der Großstadt. Die Farbqualität
lässt nach links (in Richtung der Versuchungen) nach und am
linken Rand wird ein großer Fernseher sichtbar, als ob die
schwarzen Gestalten ihm entstiegen sind.
Die Beschäftigung und Fortführung des Bildes hat mich
sehr interessiert und durch die Weiterführung konnte ich die
Entstehung eine surrealistischen Bildes nachempfinden, was viel zu
meinem Verständnis dieser Bilder beigetragen hat.
