Bilanz der Restaurationszeit
Referat von Jesko Habert

Die Restaurationszeit war die Reaktion der herrschenden Klasse der Adligen auf die vorgegangenen Revolutionen. Tatsächlich gelang es vielen deutschen Regierungen, die Auswirkungen teilweise wieder rückgängig zu machen oder abzumildern. Dies war jedoch nicht von allzu langem Bestand, denn schon 1848 führte die zugespitzte Vormärzstimmung in die Märzrevolution. Auch wenn diese scheiterte, blieb sie doch nicht ohne Auswirkungen.
Mit den Wiener Kongressen und den Karlsbader Beschlüssen war es dem deutschen Bund, der aus den monarchisch regierten, kleindeutschen Staaten bestand, die oppositionellen Kräfte zurückzudrängen und in enge politische Schranken zu weisen. Die Regierungen der Großmächte hatten eine Neuaufteilung Europas erzwungen, die größtenteils den alten Verhältnissen folgte. Polen wurde erneut geteilt und die süddeutschen Staaten vergrößerten sich, ansonsten blieben die Verhältnisse aber ähnlich. Die wichtigste Entscheidung während der Restaurationszeit war aber der Beschluss des deutschen Bundes, die monarchischen Regierungen zu schützen: sollte eine der Regierungen aufgrund von Revolutionen handlungs-unfähig werden, waren die anderen Staaten verpflichtet, ohne Aufforderung die alte Regierung wieder einzusetzen und Aufstände niederzuschlagen (Zweites Grundgesetz), ebenso wie die bei den Karlsbader Beschlüssen beschlossenen Zensuren und Kontrollen, die die Opposition mundtot machen sollten. Um ihr zusätzlich den Angriffsboden zu nehmen, wurden ein paar wenige Grundrechte der Bevölkerung eingestanden, wie das Eigentumsrecht und die religiöse Toleranz, in manchen Staaten sogar die Gleichheit vor dem Gesetz.

Zur gleichen Zeit bekamen auch eben diese Gruppen, die entweder liberal-demokratisch, national oder sozial waren, immer mehr Zuwachs und erreichten durch kleinere Revolutionen in Nord und Mitteldeutschland konstitutionelle Staatsformen. Im Ganzen kann man sagen, dass die Situation im Gleichgewicht befand und zwischen Restauration und Revolution hing. Noch waren die Regierungen, die sich oft miteinander verbündeten, zu stark für die Opposition, doch diese wuchs zunehmend.
Im Jahr 1848 gipfelte die Situation dann in den Märzrevolutionen. Angespornt vom Erfolg der Liberalen in Paris gelang es der Opposition in den Kleindeutschen Staaten durch Demonstrationen und Versammlungen, den Machthabern die lange ersehnten Rechte aufzuzwingen. Da diese auf den größten Teil der Forderungen eingingen, (Geschworenengerichte, Verfassungen, liberale Parlamente) wurde keine Herrschaft gestürzt, und die Demonstrationen verliefen ohne Todesfälle - nur auf dem Land verhielten sich die Bauern radikal, wenn ihren Forderungen nach Aufhebung der Feudalrechte kein Gehör geschenkt wurde. Da aus Angst vor der Stärke der vereinten Bauern ihre Forderungen schließlich doch akzeptiert und vollkommen umgesetzt wurden, wurden sie von da an zu Verteidigern der alten Herrschaft. Das Bürgertum kämpfte weiter für die politischen Rechte und liberale Regierungen und hatten z.B. in Preußen durchaus Erfolg, da der König ihnen mehrere Rechte zugestand.
Die nun liberalen Mitglieder des Bundestages in Frankfurt und mehrere angesehene Persönlichkeiten Süd-West Deutschlands gründeten die Frankfurter National-versammlung, die eine Einigkeit Deutschlands zum Ziel hatte. (Nach mehreren Diskussionen nur als Kleindeutsche Lösung, nämlich ohne Österreich.)

Doch diese Gewinne vermochten sich nicht allzu lange zu halten, da schon gegen Ende des Jahres die Monarchie in Österreich, Frankreich, Preußen und mehreren mitteldeutschen Staaten in blutigen Straßenkämpfen die Parlamente auflöste und mit Hilfe des Heeres sich die Macht zurückeroberte. Wenigstens einige der Ideen und Rechte der Parlamente wurden beibehalten und einige Errungenschaften der Revolutionen wurden beibehalten - die meisten Monarchien waren konstitutionell, die Feudalrechte blieben abgeschafft und der Adel hatte die gleichen Rechte wie das Besitzbürgertum. Auch die freiheitlichen Rechte blieben größtenteils erhalten.
Im Ganzen lässt sich also sagen, dass die konservativen Kräfte der Restaurationszeit erfolgreich waren, da sie selbst über die Revolutionen von 1848 hinweg weiterexistierten. Trotzdem konnten sie sich einem gewissen Fortschritts nicht erwehren so dass kleine Bestandteile dank der Revolutionen von ihnen akzeptiert wurden und den Anfang unserer heutigen Rechte bildeten. Gerade kurzfristig hatten sie also ihr Ziel erreicht, nämlich weiterhin an der Macht zu bleiben, auch wenn der Status Quo nicht vollkommen gehalten werden konnte (und vielleicht auch wollte, was man ja auch an der Restaurationszeit schon sah, während der doch nicht das vollständige Ancién Regime wiederhergestellt wurde). Kurzfristig hat die Restauration auf jeden Fall ihren Zweck erfüllt, da die Monarchie weiterhin bestehen blieb und den Herrschenden ihre Position sicherte.