Die 68er Bewegung
Referat von Jesko Habert

Die Studentenbewegung der 1968er in Deutschland bezeichnete sich selbst als "Außerparlamentarische Opposition", kurz "APO" und hatte ihren Höhepunkt im Jahre 1968 während der Verabschiedung der Notstandsgesetze. Tatsächlich aber gab es schon einige Jahre vorher Bewegungen die eindeutig zu dieser starken Vereinigung unter der Führung des Sozialistischen Demokratischen Studentenbundes (SDS) führten. Diese waren bis 1961 eine der SPD nahe stehende Vereinigung, die sich aber von selbiger gezwungenermaßen trennen musste und von da an den Kern der Außerparlamentarischen Opposition bildete. Als ab 1966 die SPD in der großen Koalition gemeinsam mit der CDU unter Kiesinger die Notstandsgesetze diskutierten sahen viele Studenten und Jugendliche die demokratischen Grundrechte der BRD gefährdet, da die Notstandsgesetze sie an selbige Gesetzgebung in der Weimarer Republik erinnerten, die den Aufstieg der Nazis erst ermöglicht hatte. Die Notstandsgesetze sollten die Regierbarkeit Deutschlands auch in einem nationalen Notstand sichern und so die Unabhängigkeit von den Siegermächten ermöglichen. In dieser 17. Änderung des Grundgesetzes wurde eine Einschränkung mehrerer Grundsätze (wie z.B. Versammlungsfreiheit, Freizügigkeit, freie Berufswahl) ermöglicht.

Dass die Notstandsgesetze nur der Brennpunkt waren, ist eigentlich offensichtlich, da es sich um einen generellen Konflikt zwischen den Generationen handelte. Weitere Forderungen der APO forderten dementsprechend die Reformierung und Demokratisierung der Hochschulen und Universitäten sowie die Auseinandersetzung mit der Nazivergangenheit. Von vielen kleinen Gruppierungen spielten die Frauenemanzipation, der Umwelt- und Tierschutz sowie der Wunsch nach einer Wertedefinition besonders auch in Bezug auf Sexualität. Hinzu kam außerdem noch der von der US-Armee geführte Vietnamkrieg, was auch mehreren älteren Leuten, besonders Christen, Anlass zur Unzufriedenheit gab. Auch wenn die Bundesrepublik nicht selbst im Vietnam aktiv war, war die politische Nähe zur USA für viele Studenten ein Grund, die Regierung auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen, da diese nicht die geringsten Versuche machen, etwas an der weltpolitischen Situation zu verändern. Kommunistische Rebellen wie Ho Chi Minh oder der kubanische Guerillero Ernesto "Che" Guevara wurden oft zu Vorbildern idealisiert. Daraus entstand häufig eine gewisse Nähe zum Kommunismus als besserem Gesellschaftssystem, wobei allerdings zu beachten ist, dass viele APO-Mitglieder wie Dutschke sich eindeutig von dem sowjetischen Kommunismus abgrenzten. Trotzdem wurden sie von vielen, zumeist konservativen Seiten als potentielle Gefahr im Sinne der Vietkong-Terroristen angesehen, was sich beispielsweise in den Zeitungen des Axel-Springer Verlages zeigte. (Die Berliner Morgenpost führte in Anspielung auf die kommunistischen Terroristen den Titel "Berlin darf nicht Saigon werden".) Dies und die Tatsache, dass die "Springer-Presse" (wie der Verlag von den APO-Mitgliedern abfällig genannt wurde) mehr als die Hälfte der Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland besaß und dementsprechend ein Meinungsmonopol besaß (was zu einer gewissen Hetze gegen die studentischen Protestierenden unter Dutschke führte), gipfelte in der Aktion "Enteignet Springer!", was mancherorts zu Zerstörungen von Schaufenstern der Springer-Geschäftsstellen führte.
Seit dem 2. Juni 1967 hatte sich der Konflikt zwischen der APO und der etablierten Gesellschaft drastisch zugespitzt, als bei einer Demonstration gegen den Staatsbesuch des iranischen Schahs Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde (was schließlich auch zu dem erbitterten Kampf gegen den Springer Verlag führte, da in der Bildzeitung der Tod Ohnsorgs als gerechtfertigt angesehen wurde). Knapp ein Jahr nach diesem Zwischenfall wurde Rudi Dutschke, der ideologische Anführer des SDS, von einem Hilfsarbeiter angeschossen und starb an den Spätfolgen.
Mit dem Attentat auf Dutschke und dem Versagen in Hinsicht auf die Verhinderung der Notstandsgesetze (welche am 30.5.1968 verabschiedet wurden) begann die Außerparlamentarische Opposition, sich zu zersplittern. Die meisten Splittergruppen blieben politisch gesehen ohne Bedeutung. Einige Studenten gründeten allerdings die DKP ("Deutsche Kommunistische Partei") die später verboten werden sollte und einige andere um die Redakteurin Ulrike Meinhof organisierten sich in der gewaltbereiten RAF ("Rote Armee Fraktion") die mit zahlreichen Attentaten und Raubüberfällen von sich reden ließen und drastische Maßnahmen der Bundesregierung nach sich zogen. Wieder andere, unter anderen Joseph "Joschka" Fischer, zogen 11 Jahre später mit der Partei "Die Grünen" in das Parlament und stellten Ende des 20. Jahrhunderts in der Koalition mit der SPD als "Bündnis 90/Die Grünen" die Regierung. Hierfür gingen sie allerdings viele Kompromisse ein und gehörten für viele andere ehemalige 68er als Teil des politischen Establishments.

Die Studentenbewegungen in den späten Sechzigerjahren fanden auch in anderen westlichen Ländern wie den USA und Frankreich statt. Die Motive der Studenten in den USA waren hierbei neben dem Fiasko in Vietnam die Bürgerbewegung der Afroamerikaner, welche häufig von den Studenten unterstützt und getragen wurde und unter der Leitung Martin Luther Kings große Bedeutung erlangten. In Frankreich gelang den Studenten derweil eine Vereinigung mit den Arbeitern, wodurch ihre kommunistischen Ideen an Glaubwürdigkeit gewannen und die Demonstrationen fast schon zu Revolutionen ausarteten. Neben ähnlichen Bewegungen in Italien, Spanien und der Türkei gab es sogar im Ostblock dementsprechende Bewegungen wie den sog. "Prager Frühling", bei dem kurzzeitig ein "Kommunismus mit menschlichem Antlitz" entstand - was allerdings schon bald gewaltsam von der Sowjetunion beendet wurde.